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(Kuh-)Milch – Besser nicht?!

Warum denn keine Kuhmilch?

Wenn ich gefragt werde, was ich denn empfehle, womit man bei einer bewussteren Ernährung anfangen soll – unabhängig vom ethischen Gedanken, ist meine erste Antwort oft: „Lass’ bitte alle Milchprodukte weg!“ Der heutige, „normale“ Kuh-Milchkonsum hat Ausmaße erreicht, die für den menschlichen Körper einfach nicht zu meistern sind. Milch versteckt sich in vielen Lebensmitteln, die sehr viele Menschen tagtäglich konsumieren: Joghurt, Sahne, Quark, Käse, Mascarpone, Butter, Crème fraîche, Schmand, Magermilchpulver, Milchpulver, Whey-Protein, etc.

Was ist Milch eigentlich genau?

Generell wird Milch in den Milchdrüsen von sogenannten „Säugetieren“ gebildet, da diese damit ihre Neugeborenen eben „säugen“. Milch ist dementsprechend die Muttermilch weiblicher Säugetiere und das erste Lebensmittel, das Babys in der Natur verabreicht bekommen. Sie soll Babys möglichst schnell wachsen lassen und ist daher eine Art Hormoncocktail, der dieses Wachstum beschleunigen soll. Neben der Kuhmilch, die oft auch nur „Milch“ genannt wird, gibt es noch verschiedene andere Milchsorten, bei denen die Tierart mit angegeben werden muss. Beispielsweise sind das Ziegenmilch, Schafmilch, Stutenmilch, etc. 

Milch, die aus Pflanzen gewonnen wird, wird im deutschen Handel nicht als „Milch“, sondern als „Drink“ gekennzeichnet. Die Bezeichnung „Drink“ soll den Verbraucher vor einer Irreführung schützen. Kokosmilch bildet hier die Ausnahme, ebenso wie Scheuermilch oder Sonnenmilch. Verstehen muss man das nicht. 😉

Warum ist Tiermilch nun aber bedenklich?

Neben der höchst umstrittenen Tierhaltung, gibt es zahlreiche problematische Faktoren, die mit dem Milchverzehr einhergehen. Ein paar wenige davon möchte ich kurz ansprechen.

  • Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellt Kuhmilch eines der „wichtigsten Allergie auslösenden Lebensmittel im Kindesalter dar“ (dazu gehören u.a. auch noch Hühnereier, Fisch, Weizen, Soja und (Erd-)Nüsse). Kuhmilch führt somit vermehrt zu Lebensmittelallergien im Kindesalter und ist wichtiges Nahrungsmittelallergen im Erwachsenenalter. Man könnte auch sagen, dass sie in allen Altersstufen Auslöser für Allergien sein kann.
  • Der Spruch „Du bist, was Du isst!“ trifft nicht nur beim Menschen, sondern auch beim Tier zu. So kommt es natürlich dazu, dass in Tiermilch Rückstände vom Tierfutter auftauchen und damit auch Arzneimittelrückstände. Je nach Haltung werden den Tieren Medikamente und vor allem Antibiotika verabreicht, die sich nicht nur in den Nerven- und Muskelzellen, sondern auch in jedem anderem Gewebe ablagern können. So gelangen sie auch in die Sekrete und somit in die Milch. Häufig werden hier bei Stichprobentests des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) überschrittene Rückstands-Höchstmengen ermittelt, die für das Hervorrufen von Krebs und Erbgutschädigungen verantwortlich gemacht werden können.
Laktoseintoleranz oder lediglich keine Babykuh?
  • Laktose- oder auch Milchzuckerintoleranz ist ein sehr verbreitetes Phänomen bzw. eine gängige Unverträglichkeit. Zur Verdauung der Laktose (Milchzucker) ist ein Enzym namens Laktase notwendig. Laktase wird von Babys und Kleinkindern während der Stillzeit noch produziert und geht dann teilweise oder vollständig zurück. Unser Körper ist ausgelegt, Muttermilch nur während dem gestillt Werden  zu verarbeiten, nicht im Erwachsenenalter und erst Recht nicht von einem anderen Säugetier. Beschwerden bei der Zufuhr von Laktose können von Blähungen, Durchfall, Völlegefühl, Aufstoßen, Migräneattacken, Koliken, Erbrechen bis hin zu Kreislaufproblemen reichen. Man könnte auch sagen, dass wir nicht laktoseintolerant sind, sondern wir sind einfach keine Kälber. Das Enzym Laktase kann durch sogenannte Laktasetabletten extern hinzugeführt werden. Etwa 15 Prozent der deutschen Bevölkerung ist komplett laktoseintolerant. Ein weit höherer Prozentsatz leidet unter einer abgeschwächten Laktoseintoleranz, bei der kleine Mengen noch verwertet werden können.
    Die Frage ist hier jedoch: Sollte man wirklich etwas essen, worüber der Körper einem deutlich mittels Beschwerden signalisiert, dass es das NICHT möchte?
Risikofaktor Milch
  • Zahlreiche Studien zur Erforschung der Entstehung von Diabetes, vor allem des Typ I-Diabetes, lassen die Milch in keinem guten Licht erstrahlen. Sie deuten darauf hin, dass Kuhmilch eine der schlimmsten Autoimmunerkrankungen auslösen kann. Werden Säuglinge mit Kuhmilch in Form von Babynahrung gefüttert, können die darin enthaltenen Proteine im Dünndarm starke unwiderrufliche Schäden verursachen. Eine der möglichen Folgen ist die Erkrankung an Typ I-Diabetes. Zumindest zeigen zahlreiche Studien, dass Kinder, die zu früh auf kuhmilchbasierende Kindernahrung umgestellt werden bzw. abgestllt werden, ein um 13-fach erhöhtes Risiko haben, an Typ I-Diabetes zu erkranken. Zur besseren Vorstellung dieses Wertes: Raucher haben ein um etwa 10-fach erhöhtes Risiko an Lungenkrebs zu erkranken.
  • Eine Studie der Harvard University bzw. der Harvard Public School for Health mit 75.000 getesteten Frauen über 12 Jahre mit Blick auf den Effekt von Milch auf ihre Knochen ergab, dass diese nicht widerstandsfähiger wurden, sondern dass Milch das Bruchrisiko erhöhte! Milchkonsum bewirkt genau das Gegenteil dessen, was viele Osteoporosepatienten tagtäglich mit auf den Weg bekommen. Richtig wäre, Milch zu meiden und nicht etwa umgekehrt. Dieses Ergebnis rührt daher, dass Tiermilch im Rahmen unseres Säure-Basen-Haushalts stark sauer reagiert. Infolgedessen kann dies zu einer Übersäuerung des Körpers führen. Häufiger Milchkonsum und somit eine häufige Übersäuerung des Körpers müssen ausgeglichen werden. Der Ausgleich, auch Neutralisierung genannt, erfolgt dadurch, dass der Körper den Knochen eine Base entzieht, nämlich Kalzium. Mehr zum Säure-Basen-Haushalt findest Du hier.
    Genau DAS ist das Groteske an der ganzen Geschichte: Milch, die jahrelang als Heilmittel für Osteoporose propagiert wurde und teilweise immer noch wird (ich sehe es an meiner Mama, wenn sie zum Hausarzt geht), ruft genau das Gegenteil hervor und fördert Knochenbrüche!
  • Eine weitere langfristige Harvard-Studie mit 20.000 Männern zeigte zudem, dass diejenigen, die 2x täglich Milch konsumiert haben, ein um 34% erhöhtes Risiko hatten, an Prostatakrebs zu erkranken als diejenigen, die sehr wenig bis gar keine Milchprodukte konsumierten.
Die Milch macht's?! Oder eher doch der pflanzliche Drink? Hier beispielsweise Cashewmilch!

Die Milch macht’s?! Oder doch eher der pflanzliche Drink? Hier beispielsweise Cashewmilch!

Ein paar ethische Gedankengänge

Außerdem noch ein paar Stichpunkte, die man sich vielleicht durch den Kopf gehen lassen sollte:

  • Wann geben Frauen Milch? Richtig! Wenn sie kürzlich schwanger waren und ein Baby bekommen haben. Milch ist die natürliche Erstnahrung für Säuglinge. Milch soll aus kleinen Babys möglichst bald starke Menschen machen. Das ist auch der Grund, warum Milch die schon erwähnten Wachstumshormone enthält. Genauso ist es auch bei allen anderen Säugetieren! Eine Kuh gibt auch nur dann Milch, wenn sie gerade gekalbt hat. Die Wenigsten wissen, dass in der heutigen konventionellen Tierhaltung Kühe permanent zwangsgeschwängert werden, um Milch zu produzieren. Da männliche Kälbchen für die Milchproduktion unnütz sind, werden die meisten nach etwa einem halben Jahr zum Schlachter gebracht und als Kalbfleisch verkauft. Der Rest kommt zur Rindermast. Die weiblichen Kälbchen erwartet das gleiche Schicksal wie das ihrer Mutter: das Leben einer stets zwangsgeschwängerten Milchkuh. Obwohl Kühe normalerweise bis zu 20 Jahre alt werden können, werden sie als „Hochleistungskühe“ in der Milchproduktion meist nach 5 Jahren geschlachtet. Nach 5 Jahren verlieren sie an Milchleistung und sind somit „nicht mehr rentabel“ genug.
  • Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das die Milch eines anderen Lebewesens freiwillig trinkt. Kuhmilch ist eigentlich dafür da, aus kleinen Kälbchen möglichst schnell große, starke Rinder zu machen. Dass beim Kuhmilchkonsum tierische Wachstumshormone in den menschlichen Körper gelangen, die hier nichts zu suchen haben, habe ich schon erwähnt. Im Erwachsenenalter, wenn wir nicht mehr in die Höhe wachsen, gibt es nur noch eine Dimension, in der sich das Wachstum auswirken kann: in die Breite. Zusätzlich können diese Wachstumshormone auch den Alterungsprozess beschleunigen sowie das Wachstum von Tumoren anregen, da das Signal des Wachstums bei allen Zellen ankommt.
  • Milch und viele Milchprodukte sind oft stark verarbeitete Lebensmittel. Nicht nur durch die Pasteurisierung und Ultrahocherhitzung (vor allem zur Haltbarmachung und Entkeimung) gehen viele Vitamine verloren. Auch der Ruf des „natürlichen Lebensmittels“ kann in Frage gestellt werden. Ich kann mich nur wiederholen: Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das die Muttermilch anderer Tiere unnötig trinkt. Geben wir einem Igel beispielsweise Kuhmilch, sehen wir nach kürzester Zeit das, was bei uns ein schleichender Prozess ist. Igel verenden sehr schnell nach dem Konsum von Kuhmilch.
Wie sieht es mit Bio-Milch aus?

Auch bei Bio-Milch werden die Kühe, Schafe, Ziegen, etc. einer „Zwangsschwangerschaft“ unterzogen. Auch sie sind zu Hochleistungstieren hochgezüchtet und werden nach einem Viertel (!) der eigentlichen Lebenserwartung geschlachtet. Lediglich der Einsatz von Arzneimitteln und somit von Antibiotika und die Haltungsfläche sind ein wenig reglementiert. Auch bei Bio-Milch bestehen die negativen Faktoren: Übersäuerung & Verstärkung von Osteoporose, Laktose- & Milcheiweissintoleranz, Allergieauslöser, erhöhtes Krebsrisiko, etc. Biologische Lebensmittel sind generell in vielen Bereichen empfehlenswerter als ihre konventionellen Pendants. Dennoch ist ein Verzicht auf Milch und Milchprodukte die noch empfehlenswertere Wahl.

Eins möchte ich zum Schluss noch erwähnen, weil ich erst vor Kurzem gemerkt habe, dass sich viele Menschen folgende Frage gar nicht stellen: Würdet Ihr Hundemilch trinken? Oder vielleicht Katzenmilch? Mäusemilch? Warum trinkt Ihr dann Kuhmilch?
Wo ist der Unterschied? Nur weil Hans XY vor 10.000 Jahren beschlossen hat, dass es die Kuh ist, die uns in Zukunft mit Milch versorgen soll? Haben wir uns seitdem nicht weiterentwickelt? Müssen wir uns immer noch mit Tierfellen kleiden und Tiere ausbeuten? Milch hat man „immer schon“ getrunken? Ja, aber nie in dem Ausmaß und auch damals wurden die Tiere weder so gehalten, noch so überzüchtet und mit Tabletten/Antibiotika zugestopft, wie es heutzutage der Fall ist. Früher hat man auch mit Asbest gebaut, weil man es für ein hitze- und säurebeständiges, verrottungs- und zugfestes und somit langlebiges Baumaterial gehalten hat. Bis man darauf kam, dass Asbest in direktem Zusammenhang mit Lungenkrebs und Tumoren im Bauch- und Rippenfell steht. Nur weil man etwas „immer schon so gemacht“ hat, heißt es nicht, dass es auch richtig ist. Sonst könnte man auch Sklavenhaltung damit rechtfertigen. Think about it!

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Hier alle in diesem Blogpost verwendeten Quellen

Bayless, T. M./Brown, E./Paige, D. M. 2017: Lactase Non-persistence and Lactose Intolerance, in: Current Gastroenterology Reports, Vol. 19, 2017, p. 23.

Harrison, S. et al. 2017: Does milk intake promote prostate cancer inititaion or progression via effects on insulin-like growth factors (IGFs)? A systematic review and meta-analysis, in: Cancer Causes & Control, Vol. 28, 2017, No. 6, pp. 497-528.
https://link.springer.com/article/10.1007/s10552-017-0883-1

Lane, N. E./Nevitt, M. C. 2002: Osteoarthritis, bone mass, and fractures: how are they related?, in: Arthritis Rheumatism, Vol. 46, 2002, pp. 1-4.

Lips, P. 1997: Epidemiology and Predictors of Fractures Associated with Osteoporosis, in: American Journal of Medicine, Vol. 103, 1997, No. 2, Supplement 1, pp. 3-11.
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0002934397900218

Melnik, B. C. 2015: Milk – A Nutrient System of Mammalian Evolution Promoting mTORC1-Dependent Translation, in: International Journal of Molecular Sciences, Vol. 16, 2015, pp. 17048-17087.
https://www.mdpi.com/1422-0067/16/8/17048/htm

Michaëlsson, K./Wolk, A./Melhus, H./Byberg, L. 2017: Milk, Fruit and Vegetable, and Total Antioxidant Intakes in Relation to Mortality Rates: Cohort Studies in Women and Men, in: American Journal of Epidemiology, Vol. 185, 2017, No. 5, pp. 345-361.
https://academic.oup.com/aje/article/185/5/345/2981960

Song, X./Bao, M./Diandong, L./Li, Y. M. 1999: Advanced glycation in D-Galactose induced mouse aging model, in: Mechanisms of Ageing and Development, Vol. 108, 1999, No. 3, pp. 239-251.

Sellmeyer, D. E./Stone, K. L./Sebastian, A./Cummings, S. R. 2001: A high ratio of dietary animal to vegetable protein increases the rate of bone loss and the risk of fracture in postmenopausal women, in: American Journal of Clinical Nutrition, Vol. 73, 2001, pp. 118-122.
https://academic.oup.com/ajcn/article/73/1/118/4729780 

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