BLOG Empfehlungen

Die Macht der Tracht und warum ich wahnsinnig nach Dirndln bin (Werbung)

In Deutschland tragen doch alle bestimmt Dirndl und Lederhosen!

Wahrscheinlich denken im Ausland, dass es bei uns überall Berge gibt, Bier wie Wasser getrunken wird und jeder entweder in Lederhose oder Dirndl durch die Gegend läuft. Und dieser Realität kommen wir jetzt zum Oktoberfest sehr nahe! Auch wenn vor allem in Bayern Tracht auch gerne zu Hochzeiten oder einfach im Biergarten mal ausgeführt wird.

Einmal im Jahr verfällt München ins Delirium und die Stadt wird von einem ganz besonderen Flair eingenommen. Münchens Oberbürgermeister schwenkt mit einem Holzhammer in der Gegend, sticht das erste Fass an, schreit „O’zapt is!“ und die durstigen Wiesnbesucher johlen vor Freude die erste Maß begrüßen zu dürfen. Nicht nur die sonst so karge Theresienwiese erstrahlt unter dem Fuße der Bavaria und wird Schauplatz so manch einer Wiesngeschichte. Ganz München ist im Rausch, es herrscht ein positiver Ausnahmezustand: das Oktoberfest! 

Bäckereien kredenzen meine früher so heiß und innig geliebten Wiesn-Riesenbrezn, sind weiss-blau dekoriert und die Münchner Wirtschaft profitiert von den steigenden Besucherzahlen in allen Bereichen. Daran kann auch der sich stetig erhöhende Bierpreis nichts ändern. Wea a Hüfn mim Boarischn brachd, dea ko do nachgschaun! 😉

Wie man unschwer erkennen kann, liebe ich Tracht O:)
Wie man unschwer erkennen kann, liebe ich Tracht O:)

Das Oktoberfest zwischen Tradition und Moderne

Das Oktoberfest ist eine Tradition, die sämtliche Weltkriege und Krisen überlebt hat. Seit 1810 wird es auf der Theresienwiese zelebriert, nachdem 4 Jahre zuvor Bayern zum Königreich erhoben wurde. Anlass für das erste Oktoberfest war damals die Hochzeit des Bayerischen Kronprinzen Ludwig mit Therese, einstige Prinzessin von Sachsen-Hildenburghausen. Zur Feier ließ der Papa des Bräutigams, König Max I. Joseph ordentlich die Korken knallen. An vier Plätzen in der Stadt durften es sich die Münchner Bürger zwei Tage lang kostenlos mit Speis und Trank gut gehen lassen und mitfeiern. Zum krönenden Abschluss gab es dann auch noch ein Pferderennen der Nationalgardisten und die jetzige Theresienwiese bekam den Namen der Braut.

Fortan wurde das nun jährlich abgehaltene Fest immer schallender und rauschender. So dauerte es nicht lange, dass es sich auch außerhalb von München herumsprach, was die Münchner so trieben. Das sich immer besser entwickelnde Eisenbahnnetz spülte zunehmend Menschen zum „Nationalfest“ der Bayern, ganz zu Freuden des Königs. So erfand die Wittelsbacher Adelsfamilie ein Nationalgewand, das sich zum Symbol der Bayern entwickelte. Auch München wuchs im Laufe der Zeit, einerseits durch „Zuagroaste“, andererseits durch die Eingemeindung ehemals kleiner Dörfer. Daher prallten auch unterschiedliche Trachten der früheren Dörfer aufeinander. Am ersten Sonntag des Oktoberfestes schmücken Teilnehmer des ebenso traditionellen Trachten- und Schützenumzugs von der Münchner Innenstadt zur Theresienwiese die Stadt. Und das schon seit 1895!

Kleider machen Leute, also auch die Tracht

Richtige Bildbeweise zur Bekleidung auf der Wiesn gibt es erst seit den 1960er Jahren. Diese zeigen, dass die Kleidung vor allem die finanzielle Situation der Träger widergespiegelt hat – entweder gab es Lumpen oder eine festliche Garderobe. „Tracht“ kommt daher ursprünglich von „tragen“ und wurde bis ins 18. Jahrhundert für die Kleidung, Frisur, Mimik, Gestik und somit das gesamte Auftreten verwendet. In München etablierte sich dagegen vor allem der Begriff „Gewand“ (auch „Gwand“), das sowohl den Stand, die Zeit und die Religionszugehörigkeit widerspiegelte. Quasi als Herkunftsausweis, um zu signalisieren, wen man vor sich hatte. Dies spiegelte sich auch in den Stoffen, der Verarbeitung und der Ausstattung der Kleidung wider. 

So etablierte sich auch das „Dirndl“ Mitte des 19. Jahrhunderts im Salzkammergut in Österreich. Ursprünglich wurde es als bäuerliches Arbeitskleid von der Aristokratie geschaffen und war das, was das „Dirndl“ (auch „Deandl“), also die Magd, anziehen sollte: Das Leibchen (eigentlich als Büstenhalter gedacht) und der Kittel (Unterrock), das „G’wand“ oder auch „Unterg’wand“. Auch erkennbar am Armeleutegeruch oder dem ihm nachgesagten lasziven Charakter. Spätestens als 1920 in München die Brüder Julius und Moritz Wallach mit dem „Dirndlg’wand“ warben, war es um das Dirndl geschehen und es wurde endgültig gesellschaftsfähig. So etablierte es sich als Sommerkleid der Städterinnen beim Urlaub auf dem Land. Heutzutage ist es DAS Kleidungsstück für Frauen auf dem Oktoberfest. Zurecht!

Dieses hübsche Dirndl gibt es beispielsweise mit Schürze oder mit Gürtel – beides wunderschön!
Dieses hübsche Dirndl gibt es beispielsweise mit Schürze oder mit Gürtel – beides wunderschön!

Lederhose und Trachtenhemd für die feschen Kerle

Bei den Herren der Schöpfung hat sich allerdings im Laufe der Zeit nicht sonderlich viel getan. Angelehnt an das Herrenbeinkleid, die „culotte“ aus dem Rokoko, hat die Lederhose mit ihrem strapazierfähigen Leder die schweren Plunderhosen der Bauern im 19. Jahrhundert ersetzt. Zunehmend fand die ursprünglich derbe Arbeitshose der Holzknechte, Sennen und Jäger aber auch bei Bauern und Bürgern des Alpenraums Anklang.

Unterschiedliche Stickereien an den Hosenträgern und leicht unterschiedliche Hemdenschnitte scheinen hier oftmals das höchste der Gefühle zu sein. Doch der Wandel von Arbeitskleidung zum Festgewand ist auch hier ersichtlich. Und es zeigt sich, dass die „Tracht“ wie wir sie intuitiv beschreiben würden, eher eine Erfindung der jüngeren Zeiten ist und es sie erst seit dem 19. Jahrhundert gibt.

Das Dirndl im Wandel der Zeit

Heutige Oktoberfestbesucher sind entweder in Alltags- oder Freizeitbekleidung aufzufinden. Die Volkskundlerin, Simone Egger umschreibt das so schön, dass ich sie gerne zitiere: „Auffällig bei ihnen aber sind die oftmals zu beobachtenden Kombinationen mit karierten Hemden oder Blusen, um den Hals gebundenen Schnupftüchern oder anderem Zubehör mit alpenländlich anmutendem Dekor. Die Träger von Bierhüten, T-Shirts, Gruppenoutfits und tatsächlichen Kostümen bilden eine weitere Einheit. (…) Und drittens findet sich auf dem Oktoberfest eine stetig wachsende Zahl an Trachten aller Couleur (…).“

Auch die Bekleidungswirtschaft ist vom Trubel um das Oktoberfest nicht verschont. Ganz im Gegenteil, denn seit Jahren ist es auch unter den Jüngeren immer attraktiver auch in Tracht zum Oktoberfest zu gehen. Egal, ob waschechter Bayer oder (Sau-) Preiss – sie bilden die dritte Kategorie von Wiesnoutfits. Und so hält auch Volkskundlerin Christine Spiegel fest: „Kleidung ist die Visitenkarte dessen, der sie trägt, ist Dokument der Zeit, in der sie entsteht und getragen wird, ist ein Stück Geschichte des menschlichen Zusammenlebens.“

Wer die Wahl hat, hat die Qual!

Noch nie war die Vielfalt so groß wie heute. Wir finden Materialien, Farben, Längen und Verzierungen aller Art aus aller Herrenländer auch auf der Tracht. Auch in der Tracht spiegelt sich die Emanzipation wider: Mittlerweile gibt es auch Lederhosen für Frauen. Vor allem aber bei der Dirndllänge scheiden sich die Geister. Einig sind sich die meisten Münchner sowie Trachtenexperten, dass das Dirndl die Knie bedecken sollte. Ansonsten gilt es als Zeichen von Touristen oder eben Preissn. Ebenso wie Landhausmode. So auch die Süddeutsche Zeitung: „Modisch betrachtet ist das Oktoberfest wie ein Aufgalopp für Wolpertiger: Jeder darf tragen, was er will.“

Eindeutig ist aber das Signal, das wir als Frauen mit der Dirndlschleife setzen. Binden wir die Dirndlschleife von uns Frauen aus gesehen rechts, sind wir weg vom Markt und es gibt für die Herren der Schöpfung nix mehr zu holen. Landet die Schleife an unserer linken Seite, also für Betrachter rechts, gilt: A bissi wos geht owei! 🙂 Woher dies allerdings stammt, ist nicht wirklich überliefert. Ledige und Unverheiratete haben sich früher traditionell unterschiedlich gekleidet. Daher wäre ein zusätzliches Kennzeichen eigentlich überflüssig gewesen.

Auch hübsch: Ein sehr edles Dirndl – alles erhältlich bei Alpenwahnsinn.de!
Auch hübsch: Ein sehr edles Dirndl – alles erhältlich bei Alpenwahnsinn.de!

Tracht ist viel mehr als nur eine Bekleidung

„Tracht trägt – wohl als einziges Kleidungsstück –, auch wenn sie noch so neu ist, Züge des Schon-ewig-Dagewesenen und Zeitlosen, und als dechiffrierbares Zeichen bürgt sie für die ihr übertragenen symbolischen Inhalte.“ So wird die Tracht auch häufig mit Tradition in einem Atemzug genannt. Und damit wird die Tracht auch mit Emotionen, Heimat, Identität, Zugehörigkeit, Brauchtum, Bedürfnis nach Sicherheit und Kontinuität in Zusammenhang gebracht.

Die Tracht als Zeichen für einen emotionalen Heimatbezug. Für die Liebe zur Heimat? Quasi als „Wir-Gefühl“, zu dem man sich durch das Tragen von Tracht in einer zunehmend unübersichtlicheren und vernetzten Welt bekennt?

Tracht, Dirndl und Tradition für mich

Jeder, der mich etwas besser als „Bussi links, Bussi rechts“ kennt, der weiss, dass ich es liebe, Dirndl zu tragen. Ich fühle mich einfach pudelwohl im Dirndl und das strahle ich anscheinend auch aus: pure Lebensfreude. Für mich persönlich ist das Tragen von einem Dirndl viel mehr als nur ein Kleidungsstück. Ich verbinde genau die genannten Begriffe damit: Heimat, Identität, Zugehörigkeit und generell positive Emotionen. Ich weiss nicht, ob das vor allem daher rührt, dass ich in Garmisch-Partenkirchen, direkt unter der Zugspitze geboren und aufgewachsen bin. Auch wenn meine Eltern Jugoslawen sind. Ich weiss es nicht.

Das Einzige, das ich mit Sicherheit sagen kann, ist, dass ich mich jedes Mal freue, wenn es einen Anlass zum Dirndltragen gibt! Oder wenn ich Menschen in Tracht, Männer in Lederhosen und Frauen im Dirndl sehe. Und ich freue mich umso mehr, wenn ich meine eine Leidenschaft mit meiner anderen Leidenschaft und Beruf als Model vor der Kamera verknüpfen darf. Zudem muss ich sagen, dass ich keine Frau kenne, der ein Dirndl nicht steht. Tatsache!

Tracht ist auch einfach ein Lebensgefühl – und zwar ein Schönes!
Im Dirndl fühle ich mich einfach pudelwohl

Familie „Alpenwahnsinn“ 

Und so freut es mich, dass ich ein kleiner Teil der Familie „Alpenwahnsinn“ sein darf. De Alpen san da Wahnsinn! Oder waren sie vielleicht doch wahnsinnig nach den Alpen?

Seit 2001 leben Katy und ihr Mann Hendrik unterstützt von ganz vielen lieben Helferlein ihre Leidenschaft und verkaufen Dirndl, Lederhosen und alles rund um die Trachtenmode. Und nein, sie sitzen nicht im ohnehin schon von Tracht überschwappenden München! Katy und ihr kleines, aber umso feineres Team verbreitet ihre Liebe zur Tracht aus dem thüringischen Erfurt in die ganze Welt. Und genau das macht sie so besonders. Denn die Liebe zur Tracht haben die beiden auf einem ihrer Urlaube in den Bergen entdeckt und seit jeher sprüht das aus jeder Faser ihrer Körper.

Nicht nur der liebevoll eingerichtete Laden in Erfurt in einem alten Fachwerkshaus, sondern auch die liebevolle Beratung, der eigene hohe Qualitätsanspruch an sich selbst und die gelebte Leidenschaft ist mehr als ansteckend. Und so bin auch ich infiziert, seit 3 Jahren im Online-Shop adoptiert und kann mit meinem Blick hinter die Kulissen sagen, dass ich total stolz drauf bin, Gesicht von diesen alpen-wahnsinnigen Thüringern zu sein. Ein richtiges, kleines Familienunternehmen, bei dem die Tochter noch bis vor kurzem als Kindermodel in Szene gesetzt wurde und der Sohn nun als ambitionierter Filmemacher im Einsatz ist. 

Also, Ihr Lieben, falls Ihr noch nach dem richtigen „Gwand“, Dirndl oder Lederhosen oder Accessoire seid, sagt’s ihnen liebe Grüße von mir (www.alpenwahnsinn.de) und viel Spaß beim Tragen! Und nicht vergessen nach der Seite der Dirndlschleife Ausschau zu halten 🙂

Um immer auf dem Laufenden zu bleiben, hier meine Facebook-Fanpage. 🙂


Hier die Quellen für diesen Blogbeitrag

Bauer, R./Fenzl. F. 1985: 175 Jahre Oktoberfest, 1810-1985, München 1985.

Beitl, R. 1998: Wörterbuch der deutschen Volkskunde, 3. Aufl., Stuttgart 1974, S. 824-828.

Egger, S. 2008: Phänomen Wiesntracht – Oktoberfestbesucher und ihre Kleider zwischen modischer Orientierung und der Suche nach Identität, S. 79-95.

Gerndt, H. 1986: Kultur als Forschungsfeld. Über volkskundliches Denken und Arbeiten, 2. Aufl., München 1986, S. 117-126.

Kirch, K. 1998: Von der Mode zum Relikt. Anmerkungen zum Wandel des Begriffs „Tracht“ vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, in: SH 87 (Sonderausgabe 1998), s. 17-21.

Ruhland, M. 2005: Hirschlederne und Haferlschuh. Wo das Echte exotisch ist: Beim Wiesnrundgang mit einem Trachtenexperten finden sich viele Loden-Irrungen, in: Süddeutsche Zeitung vom 1./2./3. Oktober 2005, S. 53.

Spiegel, C. 1991: Kleider und Leute. Anmerkungen zur Ausstellung, in: Barnay, M. (Red.): Kleider und Leute. Katalog zur Vorarlberger Landesausstellung vom 11. Mai bis 27. Oktober 1991, Bregenz 1991, S. 12 ff.

Wörner, S. 1991: „Wie ist die Natur im Allgemeinen doch so schön.“ Kleidungsideen und Kleidungsverhalten bürgerlicher Naturbewegungen, in: Barnay, M. (Red.), Kleider und Leute. Katalog zur Vorarlberger Landesausstellung vom 11. Mai bis 27. Oktober 1991, Bregenz 1991, S. 294-313.

You Might Also Like

2 Comments

  • Reply
    Katy K.-Volkenanndt
    27. September 2019 at 20:14

    Schöner Betrag! Ganz liebe wahnsinnige Grüße!

    • Reply
      rosalazic
      27. September 2019 at 21:58

      Vielen lieben Dank, liebe Katy! Und ganz wiesnwahnsinnige Grüße aus Minga 🙂

Leave a Reply

%d