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Was ist gesunder Egoismus? Die goldene Mitte!

Warum ist gesunder Egoismus so wichtig?

Egoismus, gesunder Egoismus und Altruismus – das alles sind 3 Begriffe, mit denen jeder von uns mehrmals täglich in Berührung kommt. Entweder mit Dir selbst oder mit Deinem sozialen Umfeld. Die Abstufung ist hierbei von Selbstverliebtheit im Egoismus, über Selbstliebe zu Selbstlosigkeit im Altruismus. Doch beide Extreme sind ungesund. Entweder zulasten anderer im Egoismus oder zulasten von Dir selbst beim Altruismus.

Gerade Menschen, die ein “Helfer-Syndrom” haben, emphatisch und selbstreflektiert sind oder generell lieber geben als nehmen, haben mit diesem Thema oftmals sehr zu kämpfen. Sie sind meist Teil der Altruisten, werden oftmals ausgenutzt und leiden vor allem unter den Egoisten. Warum die goldene Mitte hier wohl das gesunde Ziel ist, verrate ich Dir in meinem Blogpost!

Egoismus vs. Altruismus

Egoismus ist ein Begriff, der in unserer Gesellschaft eher negativ behaftet ist. Ein Egoist ist vor allem auf sich und seinen eigenen Vorteil aus. Hauptsache ihm geht es in erster Linie gut. Alles andere wird hinten angestellt. Oftmals haben Egoisten auch eher eine Nehmer-Haltung. Das heißt, sie nehmen eher als dass sie etwas geben. Typische Synonyme sind Selbstverliebtheit, Narzissmus, Egozentrik oder auch der Eigennutz. Hier steht das “Ich” an oberster Stelle.

Im Gegensatz dazu stehen die “Geber”, die Selbstlosen, die Altruisten. Sie macht es glücklich, andere glücklich zu machen. Anderen einen Gefallen zu tun oder zu helfen, wenn sie helfen können. Zudem sind sie meist sehr emphatisch. Hierunter fallen viele Menschen, die eine Art “Helfer-Syndrom” haben, auch wenn diese aus dem “eigennützigen” Wunsch handeln, etwas Gutes zu tun. Sie sorgen sich um ihre Freunde und ihre Familie. Fürsorge ist wohl eine der reinsten Formen der Liebe gegenüber den Mitmenschen, denn hier ist das “Ich” eher zweitrangig. Dennoch sind beide Extreme auf mittel- und langfristige Sicht ungesund, für Dich und/ oder für Dein Umfeld.

Was ist gesunder Egoismus?

Gesunder Egoismus ist das Mittelmaß aus Selbstliebe und Menschenliebe: Dir sind Deine Bedürfnisse und Wünsche mindestens genauso wichtig wie die Deines Umfelds. Denn Dir ist es immer noch wichtig, dass es Deinen Liebsten gut geht. Gleichzeitig verlierst Du Dich dabei aber selbst nicht aus den Augen.

Je älter ich werde, desto mehr wird mir bewusst, wie wichtig es ist, mir Zeit für mich zu nehmen. Ich habe nämlich auch eine starke Tendenz zum Helfer-Syndrom. Nicht umsonst habe ich u.a. den Spitznamen “Mutter Teresa”. Mir ist es einfach wichtig, dass es allen um mich herum gut geht. Wenn ich helfen kann und andere glücklich machen kann, dann tue ich das auch von Herzen gerne.

Doch mache ich dabei einen großen Fehler: Mich selbst zu vergessen. Mir ist es oft sogar wichtiger, dass es den anderen gut geht, weil ich gefühlt besser damit klarkomme, wenn es mir nicht gut geht als jemand anderem. Das ist per se nicht zu verteufeln, aber auf lange Sicht bleibe ich dabei auf der Strecke. Ich bin immer für alle da, aber für mich selbst nehme ich mir viel zu wenig Zeit. Zeit für mich, die sogenannte “Me-Time”, die eigentlich so wichtig ist. Zeit für meine persönliche Selbstfürsorge und um meine Batterien aufzuladen. Denn wie soll ich anderen Energie geben, wenn ich selbst meine Reserven aufgebraucht habe?

Genau hier kommt der “gesunde Egoismus” ins Spiel: das Mittelmaß zwischen Egoismus und Altruismus. Gesunder Egoismus ist für mich, mindestens so fürsorglich für mich selbst zu sein wie für andere. Ich verrate Dir, was mir persönlich dabei hilft. Und wie gesagt: Ich lerne das auch gerade!

Hier meine 3 Tipps zum gesunden Egoismus

1. Arbeite an Deinem Selbstwert!

Was bist Du Dir selbst wert? Was ist Dir Deine Zeit wert? Gerade “Zeit” ist etwas so Kostbares. Letztlich kommt es ja darauf an, wofür wir uns Zeit nehmen. Gleichzeitig müssen wir uns immer gegen etwas anderes entscheiden. Nimmst Du Dir für jemand anderes Zeit, geht das automatisch von der Zeit für Dich selbst ab.

Wertschätzung und Dankbarkeit sind für mich essenziell. Ganz gleich, ob es in Freundschaften oder Beziehungen ist. Nichts ist selbstverständlich. Auch Du nicht. Wertschätze Dich selbst! Sei dankbar für all das, was Du bisher in Deinem Leben erreicht hast. Alles, was Du geschafft hast, was Du durchstanden hast. Wie viele Tiefschläge hattest Du bisher in Deinem Leben und wie oft bist Du wieder aufgestanden? Schätzungsweise ziemlich viele, denn davon bleiben die wenigsten von uns verschont.

In unserer täglichen Erwartungshaltung vergessen wir viel zu oft, was wir eigentlich bisher schon alles geschafft haben. Wenn Du lernst, Dich selbst wertzuschätzen, wirst Du weniger auf die Wertschätzung von außen “angewiesen” sein. Dazu gehören das Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und auch die Selbstliebe. Zugegebenermaßen ist das eine echt harte Übung, ich spreche da aus Erfahrung.

Auf dem Weg zum gesunden Egoismus kommst Du auch an Selbstliebe vorbei :)
Auf dem Weg zum gesunden Egoismus kommst Du auch an Selbstliebe vorbei 🙂

2. Lerne “Nein” zu sagen und Grenzen zu setzen!

Es ist vollkommen in Ordnung auch einmal “Nein” zu sagen! Gerade dann, wenn es sich für Dich nicht gut anfühlt. Gerade das ist für eher altruistische Menschen sehr schwer. Lerne auf Dein Bauchgefühl zu hören. Denn oftmals sagt es Dir etwas anderes als Dein Kopf oder Dein Helfer-Syndrom. Helfen ist nach wie vor wichtig, aber auch nur, wenn es nicht auf Deine Kosten erfolgt. Dein Bauchgefühl würde Dich nicht täuschen, wenn jemand wirklich Deine Hilfe braucht. Dann darfst und sollst Du nach wie vor gerne helfen und für andere da sein!

Natürlich kannst Du theoretisch immer Deine Hilfe anbieten. Du solltest Dich aber auch fragen, ob Du das auch wirklich willst! Frag Dich zuerst, wie geht es Dir dabei? Ganz ohne Rücksicht auf die Wünsche anderer. Dann kannst Du Dich immer noch fragen, was andere davon halten könnten. Beim Selbstwert geht es vor allem auch darum, Dich und Deine Bedürfnisse besser kennenzulernen und Grenzen zu ziehen. Ganz gleich, was andere davon denken könnten. Damit wirst Du am Anfang viele vor den Kopf stoßen, die es gewohnt sind, dass Du hilfst. Das ist aber auch ein guter Gradmesser, wer es wirklich gut mit Dir meint. Denn diejenigen, die an Deinem Wohl interessiert sind, werden sich freuen, dass Du auch für Dich und Deine Bedürfnisse einstehst. Dagegen werden die “Energiesauger” sich eher vor den Kopf gestoßen fühlen, weil Du ja “sonst immer” da warst.

Lerne auch zu unterscheiden, wer Deine Hilfe auch wahrnimmt und wertschätzt – in welcher Art und Weise auch immer. Das kann auch ein einfaches, aber ehrliches “Danke” sein. Denn allein das Bewusstsein dafür reicht oftmals schon als Wertschätzung. Du wirst auch sehen, wer Deine Zeit nicht wertschätzt und bei dem Du Dich eher ausgenutzt fühlst.

Ein kleiner Exkurs

Hier ein ganz banales Beispiel. Ich werde immer wieder von Bekannten gefragt, ob ich irgendetwas bei Instagram reposten könnte, damit sie mehr Reichweite haben. Theoretisch könnte ich das, ja. Aber WILL ich das überhaupt? Gerade wenn es Menschen sind, die es nicht einmal für nötig halten, mich durch ein Like oder Kommentar zu supporten. Oder mir einmal im Jahr schreiben, wie es mir denn eigentlich geht. Manchmal frage ich mich da, ob Dreistigkeit siegt oder ob sie sich selbst überhaupt nicht hinterfragen. Und ob sie dasselbe für mich tun würden? Nein, wahrscheinlich nicht – denn davon hätten sie ja wahrscheinlich nichts. Da ist er wieder, der Egoismus.

“Nein” zu sagen kann auch sehr befreiend sein! Gerade auf dem Weg zum gesunden Egoismus.

Denn jedes “Nein” ist auch ein “JA!” für Dich, für Deine Zeit, für Dich selbst.

Rosa Lazić

Hier habe ich auch schon einen Beitrag zum Thema “Freundschaftspreise” in Englisch auf MEDIUM veröffentlicht.

3. Du musst nicht IMMER für alle anderen da sein!

Wären sie denn auch für Dich da, wenn Du sie wirklich bräuchtest? Hand aufs Herz: Wen kannst Du wirklich mitten in der Nacht anrufen? Und ja, es ist auch vollkommen in Ordnung auch einmal “Nein” zu sagen. Ebenso wie sich die Frage zu stellen: Was hab ich davon überhaupt? Würde die Person das auch für mich tun?

Und Nein, Du sollst jetzt nicht alles auf die Goldwaage legen. Darum geht es gar nicht. Du sollst ein gesundes Maß lernen, zwischen Geben und Nehmen. Freundschaften und Beziehungen sind selten ausgeglichen. In manchen Phasen überwiegt das Geben und in anderen das Nehmen. Doch wenn es ein Ausmaß erreicht hat, bei dem Du Dich nicht mehr wohlfühlst, es Dich belastet oder Du gar unglücklich über die Situation bist, solltest Du etwas ändern. Und zwar nicht nur Dir, sondern auch Deiner Beziehung oder Deiner Freundschaft zuliebe.

Wer bist Du, wenn andere nicht hinsehen?

Gesunder Egoismus hängt mit einem guten Selbstwertgefühl zusammen

“Me-Time” ist die englische Umschreibung für die Zeit für Dich selbst. Zeit, in der nur Du wichtig bist. Nur Du und Deine Bedürfnisse. Zeit, in der es sich nur um Dich dreht. Gerade heutzutage, in der wir immer erreichbar sind, sind wir gefühlt überall und nirgends. Menschen mit “Helfer-Syndrom” leiden hierunter besonders. Sie sind für alle da, nur für sich selbst oftmals zu wenig. Doch gerade in der Zeit, in der es nur um Dich und Deine Bedürfnisse geht, kannst Du Deine Energietanks aufladen. Dabei ist es ganz gleich, ob Du zum Yoga oder Sport gehst, meditierst, Dir eine Wanne einlässt oder Dich selbst befriedigst.

Es geht nur um Dich. Um niemanden anders. Hier lernst Du Dich selbst wahrscheinlich am besten kennen. Du hast Zeit, Dich und Dein Tun zu hinterfragen, Dich selbst zu reflektieren. Gerade Momente des Alleinseins werden Dich viel näher an Dich selbst bringen. Du wirst Dich besser kennen lernen, selbstbewusster und selbstvertrauter werden. Und wenn Du da einmal Gefallen dran gefunden hast, wird es Dir auch immer leichter fallen, für Dich und Deine Werte selbst einzustehen. Und auch das “Nein”-Sagen für Unwichtiges ist auch ein “Ja!” zu mehr Zeit für Dich selbst!

Make someone smile every day, but never forget you are someone too.

Deine Rosa

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Quellen

Batson, C. D./O’Quin, K./Fultz, J./Vanderplas, M./Isen, A. M. 1983: Influence of self-reported distress and empathy on egoistic versus altruistic motivation to help, in: Journal of Personality and Social Psychology, Vol. 45, 1983, No. 3, pp. 706–718. 
https://doi.org/10.1037/0022-3514.45.3.706

Hu, Y.-A./Liu, D.-Y. 2003: Altruism versus Egoism in Human Behavior of Mixed Motives – An Experimental Study, in: The American Journal of Economics and Sociology, Vol. 62, No. 4, pp. 677-705.
https://doi.org/10.1111/1536-7150.00240

Schulz, A. W. 2016: Altruism, egoism, or neither: A cognitive-efficiency-based evolutionary biological perspective on helping behavior, in: Studies in History and Philosophy of Science Part C: Studies in History and Philosophy of Biological and Biomedical Sciences, Vol. 56, 2016, pp. 15-23.
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1369848615001569?via%3Dihub

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