BLOG Nachhaltigkeit

Greenwashing und das Problem dahinter

Wie die meisten von Euch wissen, liegt mir das Thema „Nachhaltigkeit“ sehr am Herzen. Sowohl meine Facharbeit in der 12. Klasse (im Jahr 2008!), als auch meine Bachelor- und Masterarbeit haben sich mit den Themen Klimawandel, Nachhaltigkeit, bewusster Konsum und ökologischer Ethik beschäftigt. Und wenn Du Dich mit diesem Thema etwas mehr auseinandersetzt, kommst Du auch um den Begriff „Greenwashing“ nicht herum. Greenwashing hört sich eigentlich ganz positiv an. „Grün“ und „Waschen“ sind ja per se auch nichts Negatives. Ich erkläre Dir, was es mit diesem Begriff auf sich hat und welche Probleme sich dahinter verstecken können.

Greenwashing – wenn erstrebsames Verhalten missbraucht wird

„Greenwashing“ wird definiert als der Versuch eines Unternehmens, sich in der Öffentlichkeit umweltorientierter darzustellen als es tatsächlich der Fall ist. Besonders die fehlende tiefe Überzeugung für das Thema Nachhaltigkeit ist hier das Problem. Das heißt, dass eine Firma bestimmte nachhaltige, verantwortungsbewusste und ökologisch erstrebsame Eigenschaften nach außen kommuniziert, denen sie aber in der Realität gar nicht gerecht wird. Noch hatte sie die ursprüngliche Absicht, ihnen jemals gerecht zu werden.

Es wird also ein „grünes Image“ mithilfe von PR- und Marketingmaßnahmen vorgetäuscht, ohne dass wirklich etwas dafür getan wird. Die Motivation für dieses verfälschte Auftreten nach außen liegt meist in der bewussten Verbrauchertäuschung. Dieses scheinbar verantwortungsvolle und umweltbewusste Verhalten wird als „Green-“ oder auch „Bluewashing“ bezeichnet. Unternehmen, die Greenwashing betreiben, verhindern somit wirklich verantwortungsvollen Konsum und schaden ehrlichen Anbietern.

Wie kann Greenwashing schaden?

Das Problem beim Greenwashing ist, dass Anbieter, die sich ernsthaft und aus tiefster Motivation nachhaltig und umweltbewusst verhalten, untergraben werden. Viele kleinere Firmen haben sich gegründet, weil sie etwas „anders“ machen wollten als die großen, die ihren Profit auf dem Rücken von Mensch, Tier und Natur schlagen. Ein kleines Beispiel, das mir in diesem Zuge einfällt, ist auch gleichzeitig ein sehr makaberes: Die Rügenwalder Mühle war lange Zeit einer der größten Verarbeiter von Tierfleisch aus der Massentierhaltung. Nun setzen sie auf die vegan/vegetarische Schiene und nehmen dadurch Firmen wie Taifun die Konsumenten weg, da sie ähnliche Produkte anbieten. Aufgrund ihrer Größe haben sie natürlich einen ganz anderen Wirtschaftsplan und können die Produkte preiswerter anbieten. Da die meisten Kunden auf den Preis schauen, kaufen sie die billigere Variante. So wandern eventuell auch Kunden ab, die zunächst bei Taifun gekauft haben. Taifun entsteht dabei indirekt und direkt ein Schaden.

Ähnlich ist es nicht nur im Lebensmittelbereich, sondern auch bei der Bekleidung. Bei fast allen großen Marken findest Du mittlerweile auch eine „Öko-Linie“, einen Bereich mit Bio-Baumwollartikeln, recycelten Klamotten, etc. Auch das Unternehmen H&M führt eine „Conscious Collection“. Allerdings hinterfragen die Wenigsten beim Kauf, ob diese „grüne“ Linie nicht in den gleichen Billiglohnländern unter katastrophalen Arbeitsbedingungen produziert wird. Dass gleichzeitig hinter dem grünen Vorhang tonnenweise Klamotten aus der Überproduktion verbrannt werden, wird dezent vertuscht. So kann Greenwashing auch als Ablenkmanöver für das nicht ganz so grüne Kerngeschäft missbraucht werden.

Das Problem hinter Greenwashing

Das Problem ist, dass Firmen, die Greenwashing betreiben, nicht daran interessiert sind, wirklich etwas zu bewegen. Vielmehr liegt die Motivation darin, auch in diesem Bereich Geld von denen abzugreifen, die es nicht besser wissen oder es nicht weiter hinterfragen, ob die Ware auch wirklich nachhaltiger ist.

Auch ist es ein großes Problem, dass viele Verbraucher generell verunsichert werden und resignieren. Bevor sie dann überhaupt etwas Nachhaltiges kaufen, wenden sie sich generell davon ab. Sie denken, dass es ohnehin keinen Zweck hat, da meist nur Negativbeispiele im Gedächtnis bleiben, siehe Abgasskandale, etc. Zudem ist die Transparenz von beispielsweise einer nachhaltigen Produktion und sozialem Engagement für Konsumenten immer schwer zu kontrollieren oder zu beurteilen. Hier müsste ein Vertrauensvorschuss geleistet werden, der vielen Verbrauchern schwer fällt.

Den wenigsten Kühen geht es wirklich so gut wie auf diesem Foto
Den wenigsten Kühen geht es wirklich so gut wie auf diesem Foto, könnte tatsächlich Milchwerbung sein
Zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt

Einerseits freue ich mich persönlich riesig, dass Themen wie „Veganismus“ und auch „Nachhaltigkeit“ immer präsenter und gesellschaftsfähiger werden. Für mich wird es immer einfacher, mich unterwegs vegan zu ernähren. Theoretisch könnte ich mittlerweile sogar bei McDonalds mehr als nur Pommes und einen Gartensalat essen, da nun auch ein veganer Burger angeboten wird. Der Patty stammt allerdings von Garden Gourmet, einer Tochter von Nestlé. Mehr brauche ich dazu wahrscheinlich gar nicht sagen. Zudem werden für die anderen, nicht-veganen Burger nach wie vor von Cargill hektarweise Regenwald zum Tierfutteranbau gerodet.

Theoretisch könnte ich nun bei McDonalds und Co. essen. Doch ich persönlich werde einen Teufel tun, weil ich es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren kann und möchte, so einen Konzern zu unterstützen. Natürlich ist es großartig, dass diese Art von Tabu-Thema damit ein wenig aufgebrochen wird. Es wird immer gesellschaftsfähiger, sich nachhaltiger und vegan zu ernähren! Auch McDonalds verwendet die Farbe Grün immer häufiger, um ein „grünes Image“ zu suggerieren.

Auch das Tierwohllabel könnte unter „Greenwashing“ fallen

Gerade auch in letzter Zeit wird das Tierwohllabel stark diskutiert. Es soll kennzeichnen, dass Tiere unter „besseren“ Umständen gehalten wurden. Was nun „besser“ ist oder was überhaupt „gut“ ist, sei nun dahingestellt. Sicher ist nur, dass kein Tier freiwillig sein Leben opfern würde, um als Big Mac auf dem Teller oder im Karton zu landen. Da sind auch 0,15 m2 mehr Platz für Schweine als gesetzlich in der Massentierhaltung vorgeschrieben wirklich lachhaft.

Jeder Kauf ist jedoch eine bewusste Entscheidung für oder wider etwas. Jeder Cent zählt. Auch wenn Produkte von kleineren Firmen im ersten Moment teurer erscheinen können, ist es definitiv die richtigere Entscheidung. Und ja, ich bin lieber hungrig als diese verkehrte Welt zu unterstützen. Dennoch gibt es einige Öko-Labels, die die umweltfreundliche Kaufentscheidung erleichtern sollen.

Es ist natürlich auch schön zu sehen, dass immer mehr Firmen sich mit unserer Natur, Umwelt und dem verantwortungsvollen Umgang mit unseren Ressourcen beschäftigen. Dennoch sollten wir die Motivation dahinter nicht außer Acht lassen. Meiner Meinung nach, ist es immer sinnvoller, jemanden zu unterstützen, der etwas aus vollster Überzeugung und tiefstem Herzen macht als jemanden, der etwas nur verfolgt, um Profit zu machen. Wie Du beispielsweise nachhaltige und faire Mode erkennen kannst, kannst Du gleich hier nachlesen!

Um immer auf dem Laufenden zu bleiben, hier meine Facebook-Fanpage! Ich würde mich freuen, wenn Du sie abonnierst. Damit bleibst Du am einfachsten auf dem Laufenden. Natürlich kannst Du den Beitrag auch gerne teilen – sharing is caring! <3


Quellen für diesen Blogpost

Koths, G./Holl, F. 2012: Verantwortungsvoller Konsum – ein Problem asymmetrisch verteilter Information?, in:  Schneider, A./Schmidpeter, R. (Hrsg.), Corporate Social Responsibility – Verantwortungsvolle Unternehmensführung in Theorie und Praxis, 2012, S. 663-679, Berlin und Heidelberg.

http://www.mightyearth.org/avoidablecrisis/pr/de/

You Might Also Like

No Comments

    Leave a Reply

    %d Bloggern gefällt das: